Geschichte des LV Wettingen-Baden

Auf und Ab im Zehnjahrestakt

Es waren zwei unentwegte Wettinger, die mit der Leichtathletik­vereinigung Wettingen-Baden anfangs Siebzigerjahre ein Projekt auf den Weg brachten, das zu jener Zeit seines­gleichen suchte. Über Verbands- und Vereinsgrenzen hinweg stellten Alois Stadler (SV Lägern) und Ruedi Keller (ETV Wettingen) 1973 „die LV“ auf die Beine, hatten in Mathias Steinenmann vom ATV Wettingen einen wichtigen Mitstreiter und fanden im 2012 leider verstorbenen Geri Oeschger den Präsidenten der ersten Stunde, der eineinhalb Jahrzehnte lang an der Spitze blieb, die Neuschöpfung massgeblich prägte und nach Kräften förderte. 

Richi Schlachter als Athlet und Alois Merki als Präsident brachten 1974 die sportliche Grösse von jenseits der Limmat, den Stadtturnverein Baden, in die LV Wettingen-Baden ein und damit die bestmögliche Verbindung mit der Stadt Baden ein. Dank Badens Infrastruktur und seiner Zentrums­funktion erlangte diese Liaison grösste Bedeutung (Aue, Hallen, Wurststand usw) - bis heute. Ein Zusammengehen mit dem Traditions­verein LC vom Stein Baden wurde schon damals versucht und sollte über lange, zum Teil stürmische Jahre ein – immer wiederkehrendes - Thema bleiben, das es einmal sogar in die Fasnachtszeitung schaffte. Die politische Zusammenarbeit über die Gemeindegrenzen hinweg war hingegen vorblidlich und äusserte sich auch darin, dass sich die Gemeinde Wettingen in den Siebzigerjahren finanziell massgeblich an der Sanierung der Aue beteiligte. Die Leichtathletikvereinigung konnte zehn Jahre später bei der Planung der Sporthalle Tägerhard massgeblich Einfluss nehmen - Anstrengungen und Idealismus einer Form, der nicht nur mit dem nicht mehr wegzudenkenden Sprintkorridor, sondern 1989 auch mit dem Gewinn der von den höchsten Schweizer Dachverbänden ausgerichteten Vereinstrophy belohnt wurden.

Rasantes Wachstum

Der sportliche Aufstieg war ebenso die Folge wie ein rasches Wachstum, das nicht überall mit Freude aufgenommen wurde und gar Bestrebungen auslöste, die Grösse der LV einzu­schränken. Diese erstreckte sich auf dem Höhe­punkt weit über den Grossraum Baden-Wettingen hinaus und um­fasste 33 Vereine an Aare und Rhein im Norden (Leibstadt, Döttingen), ebenso wie solche im Reusstaler Süden (Bremgarten, Widen). Mit dem ETV Otelfingen und dem ETV Oetwil-Geroldswil schlossen sich gar zwei Zürcher Vereine an. Eine 1984 vom damaligen SLV verhängte Aufnahmesperre wurde indes bald wieder aufgehoben. Der LOV-Enthusiasmus war 1983 und 1988 an Jubiläums­veranstaltungen zu spüren, wie sie die Region seither nie mehr gesehen hat: rekordwürdige Events über 1000x400m und 1500x400m brachten Tausende von Sportlern und Zuschauern in die Badener Aue, wo buchstäblich tage- und nächtelang die Post abging. In den Neunzigerjahren waren solche Grossanlässe dann nicht mehr zu stemmen, der Zahn der Zeit und die Durststrecke vieler etablierter Sportarten waren auch an der LVWB nicht spurlos vorbeigegangen. Immerhin brachte der „Schnellschte Aargauer“, 2003 von der LV zusammen mit dem STV Obersiggenthal auf der Badener Badstrasse veranstaltet, 700 Athletinnen und Athleten auf die Piste und die Leichtathletik für einmal ins Stadtzentrum. Unter der Führung von Präsident Linus Egger kam es 2009 zu einer Änderung der Statuten und Gesellschaftsform: aus einer Vereinigung wurde ein Verein, „die LV“ wurde zum LVWB, zum Leichtathletikverein Wettingen-Baden. Nicht geändert haben sich aber Bedürfnisse und Probleme, die jeder ehrenamtlich organisierte Verein kennt und die mit der modernen „Freizeitgesellschaft“ akuter geworden sind: ohne Trainer, Kampfrichter, Materialverantwortliche, Vorstandsmitglieder, Koordinatoren und alle andern guten Geister im Hintergrund ist jeglicher Sportbetrieb und was sonst noch dazugehört damals wie heute undenkbar.

Höhen und Tiefen – die SVM

Noch vor Ende des ersten Jahrzehnts, 1979, stieg die LV in der Schweizerischen Vereins­meister­schaft (SVM), damals noch der grosse Gradmesser für das leichtathletische Schaffen eines Vereins, in die Nationalliga A auf. Nach einem begeisternden Wettkampf im Genfer „Bout du Monde“ war der Jubel lang und die Nacht kurz. Der Aufenthalt im Oberhaus endete bereits nach einem Jahr wieder, ein Vorgang, der sich Mitte Achtziger­jahre noch zweimal wiederholte. Die sportlichen Anforderungen mit der breiten Abdeckung aller Disziplinen führte gar zum Bau einer Hammerwurfanlage weitab vom sonstigen Geschehen in einem Würenloser Waldstück. Die Zugehörigkeit zu den besten Ligen war wegen der schrumpfenden Mitglieder­zahl bei den Männern dann nicht mehr zu halten. Die Frauen schafften 1985 den Sprung nach ganz oben blieben sieben Jahre lang erstklassig ehe innert zwei Jahren der tiefe Fall in die erste 1. Liga folgte (und erst 2004 die Rückkehr in die NLB). Wie die Schweizerische Vereins­meisterschaft selbst, hat wohl auch der LVWB in diesem Wettkampf die besten Zeiten hinter sich; gefördert wird er indes nach wie vor, zumal im Nachwuchsbereich, wo er nicht nur eine will­kom­mene zusätzliche Start­gele­gen­heit darstellt, sondern auch den Team-Spirit und die Vielseitigkeit fördert.

Grosse Namen, internationale Präsenz

Mit dem noch bei den Junioren startenden Wettinger Hürdenläufer Franz Meier stand Mitte Siebzigerjahre für die junge Vereinigung auch ein sportliches Zugpferd auf dem Platz, das für die ersten grossen sportlichen Erfolge sorgte. Franz Meier dominierte die 400m Hürden in der Schweiz über Jahre hinweg, bestritt  11 Länderkämpfe und erzielte dreimal Landes­rekord. Nach einem vierten EM-Rang 1978 qualifizierte er sich 1980 in Moskau gar für den Olympiafinal und trat vier Jahre später in Los Angeles erneut bei den Spielen an. Im selben Jahr, 1984, verbesserte er bei „Weltklasse Zürich“ den CH-Rekord nochmals und liegt mit 49.42 fast dreissig Jahre später immer noch auf Rang 4 der ewigen Schweizer Bestenliste. 1980/81 lief auch die Dättwilerin Esther Kaufmann über 400m Hürden - bei den Frauen damals eine neue Disziplin - zu nationalen Ehren und inter­nationalen Einsätzen. 1985 trat mit der beim LC Zürich nicht glücklich gewordenen Sieben­­kämpferin Corinne Schneider die grösste Athletin der Vereins­geschichte auf den Plan. Ihre im LVWB-Dress erzielten 6265 Punkte im Siebenkampf stellen immer noch Schweizer­rekord dar, Leistungen wie 1.87m Hochsprung und über 50m Speer gereichen in der Schweiz auch heute noch Spezialistinnen zur Ehre. Sie klassierte sich an den Olympischen Spielen 1988 in Seoul im 13. Rang und nahm überdies auch an Europa­meisterschaften und der Universiade teil. Qualifikationen für internationale Meisterschaften gelangen überdies dem Würenlinger Zehnkämpfer Stefan Schneider (1991) sowie - im neuen Jahrtausend - den Langhürdlerinnen Martina Naef aus Opfikon und Pamela Märzen­dorfer aus Oberrohrdorf.

LVWB - eine nationale Grösse

National gesehen schauten in den 40 Jahren für den LVWB weit über 200 Medaillen in praktisch allen Disziplinen und Kategorien heraus. Neben Pamela Märzendorfer (27), Franz Meier (25), Martina Näf (22) und Esther Kaufmann (18) ragte dabei auch die Mittelstrecklerin Andrea Fischer (auch 18) heraus, die wie die andern ebenfalls mehrfach zu nationalen Titelehren kam. Einen grossen Anteil an der stolzen Bilanz haben die Staffel­wettbewerbe, seit den An­fängen eine LVWB-Domäne. Vor allem über 4x400m und in der Olympischen Staffel stehen viele Auszeichnungen zu Buche, in der Königsdisziplin 4x100m immerhin zwei Bron­ze­ne bei den Aktiven und etliche Titel beim Nachwuchs. Seit 2010 schreiben vor allem einige erfolgreiche Nachwuchstalente diese Erfolgsgeschichte fort.

 
03.01.2013 - 11.09.2013 | von: Editor | Autor: mas
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Franz Meier, 1981
Franz Meier, 1981

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